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,,Auf
der Reeperbahn Nachts um halb eins...", tja, heute geht's um das Nachtleben.
Was war das früher doch immer ein Spaß und was bin ich oft mit meiner
Freundin in dem Tanzlokal an der Esenser Straße gewesen. Das war ja damals
so, daß der Freund von Gertrud, die ja meine Freundin war, ein Auto haue.
Der hat uns fast jedes Wochenende gefahren. Und dann ging das immer rund.
Das fing ja schon zu hause an: man konnte ja nicht einfach in seinen Alltagsklamotten
zum Tanzen gehen, da genierte man sich ja zu Tode. Ich hatte damals ein
so schönes gelbes Kleid mit Blumen drauf { ooch, das war einmal schön.
Und dann die schönen Seidenstrümpfe von meiner Mutter, damit habe ich
damals richtig aufsehen erregt. Hatte auch nicht jeder so Seidenstrümpfe.
Wenn ich mir heute meine Enkel angucke, wie die manchmal aussehen, schrecklich,
ich verstehe auch gar nicht, wie meine Tochter sie so laufen lassen kann.
Die behalten so ihre Sachen an, mit denen sie jeden Tag in die Schule
gehen. Und wie die Hosen manchmal aussehen. Das ist denen ja völlig gleichgültig,
ob sie ein Loch in der Hose haben, was hätten wir uns doch damals geschämt.
Naja, ist ja auch egal, wo war ich stehengeblieben? Ach, ja bei Meenhard,
der uns immer zu ,9Sigi's Tanzlokal" gefahren hat. Der hatte so' nen alten
Kadett, hat wohl n bißchen geklappert der Wagen, aber wir sind da immer
gut wieder mit nach Hause gekommen. So, das war jetzt die Vorgeschichte,
eigentlich sollte ich ja was über das Nachtleben an sich berichten: dann
erzähl ich euch jetzt mal, wie so' n Abend ausgesehen hat. Um halb sieben
sind wir mit Meenhard's Kadett los, wir fuhren sicher wohl ,ne gute Stunde
bis wir angekommen waren. Das man erst um zehn oder elf losging, so wie
die Kinder heute, das gab's ja gar nicht. Kam uns doch überhaupt nicht
innen Sinn. Verpaßte man ja auch die Hälfte. Nee, wir waren immer so um
halb acht - acht da. Kam immer so' n büschen auf den Zustand des Autos
an. War ja nich mehr der jüngste. Nachdem wir dann eine Mark Eintritt
bezahlt hatten, haben wir uns dann hingesetzt auf eine von den Bänken,
die da aufgestellt waren und eine Cola getrunken. Ewald, der immer die
Platten aufgelegt hat, kannte uns schon, weil wir ja oft da waren und
wir durften uns sogar manchmal in Lied wünschen. Ich habe mir meistens
Lieder von Maria und Margott Hellwig gewünscht, da konnte man ja so schön
zu tanzen. weil die so schwungvoll sind. Ich höre die auch heute noch
ganz gerne. Nicht so' n Technokram wie heute. Da platzt einem ja das Trommelfell,
widerlich. Bin ich froh, daß ich nicht mehr inne Disco gehen kann. Und
was haben wir damals immer getanzt. Heute kann ich das ja leider nich
mehr. Natürlich tanzte man auch ganz anders als die Kinder heute. Was
war ich doch geschockt, als meine Enkelin mir sagte, daß sie immer alleine
tanzen würde. Ich hab' nur zu ihr gesagt: Kind, sagte ich, so schlecht
siehst du doch gar nicht aus, wieso fordert dich denn niemand auf Oma,
sagte Silke, es tanzen heute alle alleine. Niemand fordert jemand anderen
auf \&ro ist denn da die Romantik geblieben, frage ich mich. Man hatte
früher schon eine Woche vorher ein Kribbeln im Bauch, wenn man ans Wochenende
dachte. immer wieder diese Spannung, wenn man in Sigi's Tanzbar saß, wird
man aufgefordert, oder nicht? Hat man sich schön genug gemacht? Fragen
über Fragen. Heute ist das ja alles ganz anders. Ach, wenn ich da an früher
denke, werde ich jedesmal ganz sentimental. Was war das doch für eine
fesche Zeit. Und den Abend, an dem mich mein Mann das erst mal aufgefordert
hat, werde ich wohl nie vergessen. Er hatte diesen schönen dunkelgrünen
Anzug an, in dem er mich dann fünf Jahre später auch geheiratet hat. Aber
ich glaube das gehört hier jetzt auch nicht her. Ich will lieber erzählen,
wie so ein Abend damals zu Ende ging: so gegen elf Uhr war der Laden dann
so rappelvoll, daß man sich schon fast nicht mehr sehen konnte vor lauter
Zigarettenqualm. Weil wir ja auch noch immer eine Stunde nach Hause fahren
mußten, sind wir um diese Zeit dann immer los. Ich mußte morgens auch
immer wieder früh zum melken, da konnte man nicht bis in ,ne Puppen feiern.
Meine Tochter eröffnete mir doch glatt letztens, daß Silke erst um drei
Uhr morgens wieder zu Hause gewesen ist. Ich finde das unverantwortlich.
Wo soll das noch mal enden mit der heutigen Jugend. Wir hingegen haben
uns damals noch benehmen können. Das geht doch nicht, daß ein Mädchen
wie Silke bis drei Uhr aufer Straße rumläuft. Ich mach mir gar nich vorstellen,
was da alles passieren kann. Früher war das ja alles kein Problem. Meenhard
hat uns immer abgeholt und wieder nach Hause gebracht, nee was war das
doch für' n lieber Junge. So, ich hab' jetzt leider keine Zeit mehr, ich
muß mich nämlich um meinen Essenspott kümmern. Ich hoffe ihr könnt euch
jetzt so einigermaßen vorstellen, was wir früher immer für einen Spaß
hatten in Sigi's Tanzlokal. Denn bit up' n anner mol. Oma Pupkes.
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