rubriken [oma pupkes]
...AUF TOUR!

 

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,,Auf der Reeperbahn Nachts um halb eins...", tja, heute geht's um das Nachtleben. Was war das früher doch immer ein Spaß und was bin ich oft mit meiner Freundin in dem Tanzlokal an der Esenser Straße gewesen. Das war ja damals so, daß der Freund von Gertrud, die ja meine Freundin war, ein Auto haue. Der hat uns fast jedes Wochenende gefahren. Und dann ging das immer rund. Das fing ja schon zu hause an: man konnte ja nicht einfach in seinen Alltagsklamotten zum Tanzen gehen, da genierte man sich ja zu Tode. Ich hatte damals ein so schönes gelbes Kleid mit Blumen drauf { ooch, das war einmal schön. Und dann die schönen Seidenstrümpfe von meiner Mutter, damit habe ich damals richtig aufsehen erregt. Hatte auch nicht jeder so Seidenstrümpfe. Wenn ich mir heute meine Enkel angucke, wie die manchmal aussehen, schrecklich, ich verstehe auch gar nicht, wie meine Tochter sie so laufen lassen kann. Die behalten so ihre Sachen an, mit denen sie jeden Tag in die Schule gehen. Und wie die Hosen manchmal aussehen. Das ist denen ja völlig gleichgültig, ob sie ein Loch in der Hose haben, was hätten wir uns doch damals geschämt. Naja, ist ja auch egal, wo war ich stehengeblieben? Ach, ja bei Meenhard, der uns immer zu ,9Sigi's Tanzlokal" gefahren hat. Der hatte so' nen alten Kadett, hat wohl n bißchen geklappert der Wagen, aber wir sind da immer gut wieder mit nach Hause gekommen. So, das war jetzt die Vorgeschichte, eigentlich sollte ich ja was über das Nachtleben an sich berichten: dann erzähl ich euch jetzt mal, wie so' n Abend ausgesehen hat. Um halb sieben sind wir mit Meenhard's Kadett los, wir fuhren sicher wohl ,ne gute Stunde bis wir angekommen waren. Das man erst um zehn oder elf losging, so wie die Kinder heute, das gab's ja gar nicht. Kam uns doch überhaupt nicht innen Sinn. Verpaßte man ja auch die Hälfte. Nee, wir waren immer so um halb acht - acht da. Kam immer so' n büschen auf den Zustand des Autos an. War ja nich mehr der jüngste. Nachdem wir dann eine Mark Eintritt bezahlt hatten, haben wir uns dann hingesetzt auf eine von den Bänken, die da aufgestellt waren und eine Cola getrunken. Ewald, der immer die Platten aufgelegt hat, kannte uns schon, weil wir ja oft da waren und wir durften uns sogar manchmal in Lied wünschen. Ich habe mir meistens Lieder von Maria und Margott Hellwig gewünscht, da konnte man ja so schön zu tanzen. weil die so schwungvoll sind. Ich höre die auch heute noch ganz gerne. Nicht so' n Technokram wie heute. Da platzt einem ja das Trommelfell, widerlich. Bin ich froh, daß ich nicht mehr inne Disco gehen kann. Und was haben wir damals immer getanzt. Heute kann ich das ja leider nich mehr. Natürlich tanzte man auch ganz anders als die Kinder heute. Was war ich doch geschockt, als meine Enkelin mir sagte, daß sie immer alleine tanzen würde. Ich hab' nur zu ihr gesagt: Kind, sagte ich, so schlecht siehst du doch gar nicht aus, wieso fordert dich denn niemand auf Oma, sagte Silke, es tanzen heute alle alleine. Niemand fordert jemand anderen auf \&ro ist denn da die Romantik geblieben, frage ich mich. Man hatte früher schon eine Woche vorher ein Kribbeln im Bauch, wenn man ans Wochenende dachte. immer wieder diese Spannung, wenn man in Sigi's Tanzbar saß, wird man aufgefordert, oder nicht? Hat man sich schön genug gemacht? Fragen über Fragen. Heute ist das ja alles ganz anders. Ach, wenn ich da an früher denke, werde ich jedesmal ganz sentimental. Was war das doch für eine fesche Zeit. Und den Abend, an dem mich mein Mann das erst mal aufgefordert hat, werde ich wohl nie vergessen. Er hatte diesen schönen dunkelgrünen Anzug an, in dem er mich dann fünf Jahre später auch geheiratet hat. Aber ich glaube das gehört hier jetzt auch nicht her. Ich will lieber erzählen, wie so ein Abend damals zu Ende ging: so gegen elf Uhr war der Laden dann so rappelvoll, daß man sich schon fast nicht mehr sehen konnte vor lauter Zigarettenqualm. Weil wir ja auch noch immer eine Stunde nach Hause fahren mußten, sind wir um diese Zeit dann immer los. Ich mußte morgens auch immer wieder früh zum melken, da konnte man nicht bis in ,ne Puppen feiern. Meine Tochter eröffnete mir doch glatt letztens, daß Silke erst um drei Uhr morgens wieder zu Hause gewesen ist. Ich finde das unverantwortlich. Wo soll das noch mal enden mit der heutigen Jugend. Wir hingegen haben uns damals noch benehmen können. Das geht doch nicht, daß ein Mädchen wie Silke bis drei Uhr aufer Straße rumläuft. Ich mach mir gar nich vorstellen, was da alles passieren kann. Früher war das ja alles kein Problem. Meenhard hat uns immer abgeholt und wieder nach Hause gebracht, nee was war das doch für' n lieber Junge. So, ich hab' jetzt leider keine Zeit mehr, ich muß mich nämlich um meinen Essenspott kümmern. Ich hoffe ihr könnt euch jetzt so einigermaßen vorstellen, was wir früher immer für einen Spaß hatten in Sigi's Tanzlokal. Denn bit up' n anner mol. Oma Pupkes.

OMA
PUPKES
[Imke]
JOHANN! [Februar 1998]
auf Tour
[Dezember 1998]
Was kommt nach der Schule
[Februar 1999]
die Konfirmation
[April/Mai 1999]
SCHULE
[Juni 1999]

 

Stand: 6 | 6 | 0 - Kunstschule miraculum -  miraculum@aurich.de