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HERE COMES THE SIMPSONS

 

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Ein ganz normaler Wochentag, kurz vor fünf. Anonymen Schätzungen zufolge sitzen jetzt 60% aller jugendlichen ProSieben- Empfänger vor der Kiste und warten auf ihre tägliche Ration entarteten Familienglücks: warten darauf, daß die politisch korrekte "Überreife Superbiene" Marge ihrem Donut-fressendem, intellektuell benachteiligten Homer wieder zum Kirchgang zwingt, oder daß Wunderkind Lisa ihr Saxophon malträtiert, während Nervensäge Bart seinen Hund Knecht Ruprecht gegen einen Super- Collie eintauscht. Wie gebannt starren die Süchtigen auf den Bidschirm, um beim Erklingen der Titelmelodie ein befriedigtes Grinsen aufzusetzen. Ich bin eine von ihnen. Ja, ich weiß, es ist pure Zeitverschwendung. Wie das Fernsehen an sich. Aber ich bin der Serie verfallen. Ich liebe die Simpsons.

Angefangen hat es schon, als ich elf war: damals war die Matt-Groening-Serie gerade angelaufen, alle rissen sich um die Sammelbilder, und wir spielten die Familie sogar in der Kuschelecke unserer Klasse nach. Ich war Baby Maggie, und außer "suck" hatte ich nicht viel zu sagen, leider.

Dann gerieten die verrückten Springfielder (die Macher wählten, ein fiktives Springfield als Schauplatz, weil es der häufigste, also auch anonymste Ortsname in den USA ist) allgemein in Vergessenheit, doch seit einiger zeit bin ich wieder voll dabei. Nicht nur ich, denn die Simpsons erfreuen sich in meiner Altersgruppe zunehmender Beliebtheit. Originalzitat einer Schülerin: "Das kann man besser gucken als Unter Uns." Eben!

Zeit also, sich ihnen mal etwas eingehender zu widmen und vor allem eins klarzustellen: es ist keine Kinderserie! Im Gegenteil; wer würde denn Kindern den Anblick eines dreiäugigen toten Fisches, verschuldet vom bösen Atomkraftwerksbesitzer Monty Burns, zumuten? Schon Burns allein würde ihnen Angst machen. Die meisten Folgen haben durchaus einen politischen bzw. gesellschaftlichen Hintergrund (ich sag nur: Homers Bart-soll-nicht-schwul-werden-Aktion), den Winnie-Pooh-gewöhnte Grundschüler überhaupt nicht begreifen, geschweige denn verarbeiten könnten.

Doch im Gegensatz zu vielen Kiddie-Cartoons sind die Simpsons nahezu gewaltfrei, von den serieneigenen TV-Helden Itchy und Scratchy mal abgesehen. Außerdem tragen sie zur Geschlechterverständigung bei, denn sie sind bei Jungs und Mädchen gleich beliebt.

Aber das Wichtigste: alle Charaktere sind absolut lebensecht und menschlich gestaltet, so daß man zu dem Schluß kommen könnte, es sei gar keine Cartoonserie. Vielmehr könnte man meinen, Matt habe die Menschen um ihn herum originalgetreu abgezeichnet und aus Angst vor einer Klage noch schnell ein bißchen gelb angemalt.

Was auch immer, die Simpsons stehen jetzt, nachdem Beavis und Butthead abgesetzt wurden, sicherlich auf Platz 1 der bei Ami-Eltern meistgehaßten Cartoons. Und alles nur, weil die Kinder dort ihre eigenen Väter alias Homer vorgeführt kriegen. Aber schöner als Homer sind die Nebendarsteller: Beispielsweise der jungfräuliche , Vietnamtraumatisierte Schuldirektor Skinner, der noch bei seiner Mutter wohnt, oder Marges garstige, nikotin- und McGyver-abhängige Schwestern Patty und Selma, oder Barney , der arbeitslose Saufkopp. Endlich mal eine Sendung, bei der für jeden Freak in unserer Gesellschaft was dabei ist - was für ein Identifikationspotential!

Einziger Wermutstropfen bei der ganzen Sache: die Synchronisation - ist doch überflüssig! Manche Witze kommen einfach nicht rüber, und Homers brummige Originalstimme ist nur zu hören, wenn er singt. Doch auch in deutschland mußten wir nicht auf das absolute Highlight verzichten: The Springfield Files! Da durften sogar Akte X-Fans einschalten, denn Scully und Mulder-mit-Nacktfoto-im-Ausweis mußten das Alien jagen, das Homer gesichtet hatte. Homer log den Lügendetektor kaputt, und das engelsgleiche Alien war in echt Mr. Burns unter Therapieschock.

Ich könnte jetzt stundenlang meine Lieblingsfolgen aufzählen, aber ich stelle euch liber ein paar Insider-Infos zur Verfügung. Also: Homer schwitzt beim Essen und leckt gerne Briefmarken ab, und Marges Mega-Haarturm wird von nur einer Nadel zusammengehalten. Tja, da staunt ihr. Jetzt muß man die Simpsons doch einfach lieben!

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Here comes the Simpsons
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