Garten Eden oder EXIL

Praktikum, was heisst Praktikum für viele Schüler? Praktikum heisst viel Arbeit, kein Geld, Hände voller Kaffee und schlechtgelaunte Kollegen.
Genau dies war meine Einstellung, als ich am Montag Morgen (6.11.2000) vor der Tür meines Kerkers stand und mir der Zeitraum von Wochen durch den Kopf schoss. Mit gesenktem Blick und dem Gefühl, dass die Tage meiner Jugend jetzt gezählt seien, öffnete ich die Tür und trat unwissend und nichtsahnend ein. Doch ich merkte sofort, dass etwas nicht stimmt, denn ich vernahm ein Lachen, ein Lachen an einem Ort wo gearbeitet wird. Das kann nicht angehen, dachte ich und pirschte mich langsam zu der Quelle vor. Nach kurzer Suche fand ich diese Quelle auch und war verblüfft, denn es waren Menschen, die lachten. Ja, echte Menschen! Und ich realisierte, dass ich einer der wenigen bin, der sein Exil von 2 Wochen an einem Ort verbringen darf, der einem zusagt und an dem man auch richtig was lernen kann. So merkte ich schon schnell, dass viele meiner Vorurteile nicht stimmten, da meine Hände nicht mit Kaffee besudelt sind, ich zwar Arbeiten muss, diese Arbeit mir aber Spass macht, die anderen humanen Lebensformen hier alle sehr nett sind und nein, ich kriege kein Geld (war auch bei einem Praktikum nicht zu erwarten, hierbei handelt es sich nur um ein stilistisches Mittel um den Text humoristischer zu gestalten). Schon nach wenigen Stunden jedenfalls wurde mir das Motto des Betriebes bewusst und ist mit den Worten carpe diem (für Nicht-Lateiner: “Nutze den Tag!“ ) wie ich finde gut getroffen.

Ableitend aus diesem Motto steht hier das Machen und selber Erfahren im Vordergrund. Also, obwohl ich diesen Bericht schon nach der ersten Woche schreibe, kann ich dennoch sagen, dass sich das Praktikum für mich gelohnt hat und ich nur allen raten kann, sich ihren Praktikumsplatz sorgfältig auszusuchen und einen Betrieb zu wählen, der einem auch zusagt.

Ich habe diese Praktikumsstelle bei der Kunstschule gewählt, da ich mich von klein auf immer für Kunst interessiert habe und auch beruflich in diese Richtung tendieren will. Ein weiterer Aspekt war meine momentane Wohnlage, da ich aus Wittmund (Alexander-von-Humbold-Schule) komme und es dort nichts vergleichbares gibt. Neben mir sind zur Zeit noch 5 andere Praktikanten/innen hier, von denen 3 ein Jahrespraktikum machen (BBS Leer) und 2 (Gymnasium Aurich), die wie ich nur 2 Wochen hier arbeiten. Die Kunstschule ist nicht nur auf die alten Malkünste (Pinsel, Farbe) ausgelegt, sondern beschäftigt sich auch mit den neuen Medien (zu denen natürlich auch das Internet gehört). So durfte ich schon viel mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Adope Photoshop und Grafik-Software wie Corel Draw arbeiten und mich auf diesem Gebiet beschäftigen.

von Felix