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Es wird für einen seriösen Journalisten wie mich auch mal Zeit, über ernstere Themen zu sprechen, als nur über die neueste BRAVO, das Konzert vom Wochenende oder die neue CD von DJ Ötzi. Nein, es ist meine heilige Journalistenpflicht, auch einmal die Wurzel an ihren Haaren zu packen, aus dem Dreck und durch den Kakao zu ziehen und euch die nackte Wahrheit zu präsentieren, gleich einem modernen Till Eulenspiegel oder Robin Hood. Wie heroisch... In der letzten Ausgabe habe ich behauptet, die Evolution wäre rückläufig, der Mensch würde sich wieder zum Affen entwickeln. Von einigen wenig toleranten Mitaffen auf meine These angesprochen, fasste ich den Entschluss, diese Behauptung noch einmal zu explizieren. Der Erfolg von Filmen wie „Die Bademeister“ mit Lachkanone Bully in einer der Hauptrollen, von Serien wie „TV Total“, in denen man als Mensch über die Menschlichkeit anderer Menschen lacht und eine Kastration zu einem Comedy-ereignis nie da gewesenen Ausmaßes wird, und von Forma-ten wie „Big Brother“ (siehe Ausgabe 14) gibt mir doch recht: Konnte man sich noch vor zehn Jahren über Witze wie „Treffen sich zwei Jäger - beide tot“ schlapplachen, muss heute in einem guten Witz mindestens zweimal das Wort „ficken“ vorkommen. Der Mensch reduziert sein eigenes Leben auf die primitivste aller Nebensachen: Sex. Drei Buchstaben werden zum ausfüllenden Lebensinhalt. Und bei dieser Einsicht angelangt kann man wirklich nur noch an die Paviane im Zoo Emmen denken, die ihre Zeit auf dem Affenfelsen nur mit Fressen, Schlafen und Vögeln tot-schlagen. | Auf das primäre Geschlechtsorgan reduziert fühlt sich der Mensch erst richtig wohl. Wichtige Fragen wie „Darf eine Frau oben ohne durch eine Fußgängerzone laufen?“ werden von hohen Gerichten gewälzt, Aktionen wie „Vorher-Nachher“, in der hässlich aufgemachte Frauen zu hübschen Frauen mit tiefem Dekollete geklont werden, fördern die allgemeine Oberflächlichkeit, Individualität wird während der Pubertät amputiert und durch eine gehörige Portion Gruppenzwang wird noch jeder Wille gebrochen. Wer sich durch ein Detail von dem grauen Durchschnitt abhebt, wird auf eben dieses Detail reduziert und zu einem Spielzeug für faschistoide Mobber gemacht. Heute lebt man nicht mehr sein eigenes Leben, sondern das der Mehrheit. Die Meinungen scheiden sich nicht mehr, sie gleichen einander an, wobei der eine den kürzeren, ein anderer halt den längeren zieht. Insofern muss ich hier also meinen Irrtum erkennen und zugeben: Der Mensch entwickelt sich NICHT zu einem Affen, denn selbst Affen haben etwas, das man als „soziales Verhalten“ bezeichnet, der Mensch jedoch in all seiner Arroganz tritt solche Worte mit Füßen. Er wähnt sich zwar in einer funktionierenden Demokratie, er kehrt jedoch immer mehr zum vorrevolutionären Ständesystem zurück: Man selber steht in der oberen Ecke der Lehenspyramide, die anderen sind eh nur Bauern. Fazit: Ich muss mich bei all denen entschuldigen, die sich selber schon auf dem Affenfelsen sahen. Denen kann ich besten Gewissens sagen: Ihr seid gar keine Affen - viel schlimmer! Wer sich jetzt nicht angesprochen fühlte: Weiter so! |