merretsEXPO experience
| Eines Tages in der sogenannten „Klassenstunde": Diskussion über den Wandertag. Während die eine Hälfte der Klasse, vornehmlich weiblich, sich angeregt über eventuelle Unternehmungen, die neuesten News, Briefbücher und mehr oder weniger angesehene Mitschüler austauscht, ist die andere Hälfte, folglich vornehmlich männlich, eher passiv, das heißt, zuckt desinteressiert mit dem Kopf (oder anderen Gliedmaßen) zu Klängen aus einem Discman oder unterhält sich gelang-weilt über die aktuelle Fußball-Bundesliga (oder hieß das EM? Ist ja auch egal...). Ein völlig überforderter Lehrer fuchtelt hilflos mit den Armen herum und bekommt einen roten Kopf (nicht gut für den Blutdruck!). Dennoch - das Chaos herrscht diktatorisch. Dass sich am Ende doch noch ein Plan herauskristallisiert hat, kann man an einem (zu) frühen Morgen im Juni erkennen. Einige noch reichlich verpennt aussehende Schüler wer-den in einem viel zu engen miefigen Doppeldeckerbus verstaut - und ab geht die Post nach Hannover. Dort angekommen latscht ein eher planloser (im wahrsten Sinne des Wortes-unser Lehrer hatte die kopierten Pläne der Expo zuhause vergessen) Haufen in Richtung Eingang. Unser erstes Ziel war die Funsport-Halle, wo wir dann auch prompt auf unseren halben Jahrgang trafen. Ich muss sagen, sooo toll war die doch nun auch nicht. Es sah ungefähr so aus wie im ICA, nur etwas (?) größer. Warum man nun aber nach Han-nover fahren und reichlich 30 DM Eintritt zahlen muss, nur um ein bisschen Snakeboard zu fahren, war uns etwas unklar und so wurde schnell ein neues Ziel anvisiert: die Länderpavillons. Als erstes lockte und ein kleines felsiges Etwas, aus dem exotische Rhythmen erklangen. Bei näherem Ansehen entpuppte es sich als Äthiopischer Pavillon. Dort gab es äthiopische Tänzer und eine pas-sende Band, Prospekte über äthiopischen Kaffee und eine mehr oder weniger interessante Ausstellung. Als nächstes kam China an die Reihe - welch ein Kontrast: High Tech pur. Wie die meisten Länder präsentierte China sich selbst. Aus dem Res-taurant strömten verlockende Düfte chinesischer Gerichte und viele Menschen, die einen Blick auf die Preise erhascht hatten. Und dann war da noch der Souvenirladen, wo man sich zum Beispiel seinen Namen auf chinesisch aus einen Fächer schreiben lassen konnte (bei mangelnder Kenntnis der deutschen Aussprache konnte da aus „Merret" auch schon mal „Mechete" werden - Hauptsache die Schrift sieht schön aus, lesen kann's eh niemand...). Es folgten die Pavillons von Griechenland, Kroatien (ein einfacher hellblauer von Wasser überflossener Kasten undefinierbaren Materials, in dem man auf Glasplatten über einer Art See wandelte) und Jemen. | Der jemenitische Pavillon gefiel mir persönlich
am besten von den (nur) fünf Länderpavillons, die wir von innen gesehen
hatten: Ein Haus wie direkt aus der Wüste, auf dessen Eingangsplatz man
so etwas wie einen Basar findet: in Mauernischen sitzen Einhei-mische, die
einem Silberschmuck verkaufen wollen - herunterhandeln bei guten Eng-lischkenntnissen
möglich. Der Rest des Hauses war dann doch nicht sooo interessant. Nach
einem kurzen Besuch im „Pavillon of Hope“ mussten wir auch schon wieder
zur Seilbahn, da wir uns mit ein paar Leutchens am Skyjumper verabredet
hatten. Der/ die/das Skyjumper ist eine Konstruktion aus zwei Stahlstäbchen
(50m), einer Kugel aus Metallstangen (2m) und einem Gummiband. Die (Un-)
Glückseligen werden in der Kugel festgezurrt, die ihrerseits wieder am Boden
fixiert ist. Dann werden die Gummibänder gedehnt und die Kugel wird losgelassen.
Was zwangsweise dazu führt, dass sie, mitsamt den Insassen, schlagartig
ca. 100m nach oben katapultiert wird, dann wieder nach unten fliegt, wieder
hoch, wieder runter, und sich dabei auch noch höllisch schnell um sich selbst
dreht. Während des Fluges wird man dann auch noch gefilmt, für das Band
muss man dann aber auf die 30,- DM (für Erwachsene 50,-) noch 20,- DM Aufschlag
zahlen. Bevor
wir den Rückweg antreten mussten blieb uns noch die Zeit, in einen letzten
Pavillon zu gehen (Japan), der ausnahmsweise mal nicht das eigene Land selbst,
sondern ein internationales Problem (samt Lösungs-vorschlägen) präsentierte:
den Treibhaus-effekt. Doch auch der fast längste Tag im Jahr ist einmal
zu Ende und so strebte man dann auch bald das heimische Aurich an, wobei
auf Party im Bus natürlich nicht verzichtet wurde, und auch der Ostfriesische
Alleinunterhalter D.M. trug seinen Teil zur Stimmung bei *g*: der Bus tobte
(allerdings nicht unbedingt aus Freude...) Fazit: Es lohnt sich! Allerdings
sollte man sehr viel Zeit mitbringen, wenn man alles sehen will. Von den
angeblich so niedrigen Besucherzahlen merkt man aber echt nichts, Wartezeiten
von teilweise 20 min. vor einzelnen Pavillons sprechen für sich. Wenn man
bedenkt, dass die nächste Weltaus-stellung wahrscheinlich in zehn Jahren
in Shanghai stattfindet... geht man doch lieber nach Hannover. Noch näher
kommt die Expo auch nicht mehr (wie wärs mit einer Kandi-datur Moordorfs
im Jahr 2020???). Noch ein Tipp: Wenn man einen 12jährigen (mit Ausweis)
zum Seilbahnticketkaufen schickt, spart man 4 DM, dann ist das (Zitat) „voll
der Kick für eine Mark!". |