vorort
Beim Sendestart dabei gewesen
Das Prinzip mag ja gar nicht so schlecht sein: Bürger machen Radio.
Jeder, der Bock hat, kann seine eigene Sendung (von zwischen fünf
und dreißig Minuten Länge) aufnehmen und sie über UKW 94,0 in
Ostfriesland ausstrahlen lassen. Jeder, das heißt: Schüler, Jäger,
Sekretärinnen, Lehrer, Fotografen und Programmiererinnen aus Indien.
Profilneurotische Schulklassen, Briefmarkensammelklubs, Kunstmäzenen
und Dackelzüchtervereine können sich auf Ultrakurzwelle präsentieren,
natürlich eigenverantwortlich und nicht allzu kommerziell. Der
erste offene Kanal für Ostfriesland wird zu neunzig Prozent finanziert
durch unser aller Steuergeld, es gibt drei Studios (eins hier
in Aurich, eins in Emden und eins in Leer) plus ein mobiles Studio
in einem Kastenwagen, damit man auch mal ein Fußballspiel der
SpVg Aurich live übertragen kann (wie tödlich lange mussten wir
auf so etwas warten?). In einem dieser Studios kann nun die erste
eigene Sendung aufgenommen, geschnitten und letztendlich ausgestrahlt
werden. Auch haben sich bereits einige Redaktionsgruppen zu den
Themen „Nachrichten und Lokales“, „Plattdeutsch“ und „Kirche und
Religion“ gebildet, an die man sich noch anschließen kann. Die
gerade genannten Themenschwerpunkte lässen uns junge Leute erst
einmal aufstöhnen. Was sollen wir mit Nachrichten, Plattdeutsch
und Kirche? Aber auch für die Jugendlichen wird ein weites Spektrum,
ein wahres Potpourri an Sendeformaten geboten, wie mir ein Herr
in senfgelbem Hahnentritt-Jackett erklärte. Was das nun letzten
Endes sein wird, konnte man mir jedoch nicht sagen, man wich auf
ein nicht sehr aussagekräftiges „wenn einem die Sendungen nicht
passen, kann man sich doch seine eigenen Sendungen machen“ aus.
Ein festes Programm mit immer wiederkehrenden Sendungen steht
nur teilweise fest, so gibt es allenthalben mal eine Sendung über
religiöse Themen und ein Format, das sich mit Filmmusiken befasst.
Außerdem wird für das verwöhnte ostfriesische Ohr ein amüsantes
„Country-Cocktail“ geboten. In welche Richtung sich das erste
Radio Ostfrieslands entwickeln wird, kann man nur abwarten. Ob
die plötzlich mit modernster Technik konfrontierten Ostfriesen
tatsächlich einmal nicht nur heimische Autoradios erobern werden,
denke ich ehrlich nicht. Aber es kommt darauf an, was man daraus
macht. Es ist halt ein neues Medium, mit dem man sich erst einmal
auseinandersetzen muss. Wer hier die Professionalität eines Radio
FFN erwartet, liegt völlig falsch. Vielmehr ist Radio Ostfriesland
ein noch formloses Etwas, das man nach seinen eigenen Vorstellungen
mitgestalten kann. Herauskommen kann dabei entweder ein uninteressantes
Ding der Marke 08/15, das gerade mal Reemt Harms aus Suurhusen
kennt oder ein Sender, den wirklich jeder zu bestimmten Zeiten
gern hören mag.
von
Wolle
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CANTO GENERAL |
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Seit einem Jahr proben rund 200 Schüler und der Lehrer-Elternchor
der Integrierten Gesamtschule Aurich-West das Oratorium (Gesangsstück)
„Canto General“. Der Chilene Pablo Neruda hat den Canto General
(„Der Große Gesang“) geschrieben. Es ist aus ungefähr 300 Gedichten
zu einem Stück zusammen gesetzt worden. Neruda behandelt in seinen
Gedichten viele politische Themen, da er selber lange Zeit politisch
aktiv war. 1971 erhielt er den Literatur-Nobelpreis. Der Grieche
Mikis Theodorakis komponierte die Melodien dazu. Auch er war Zeit
seines Lebens politisch aktiv und kämpfte als 18jähriger im Widerstand
(1943). Der Plan, aus den gesam-melten Gedichten ein Oratorium zu
machen, entstand zusammen mit Neruda. Nach dessen Tod (1971) hat
Theodorakis noch ein Requiem dazu geschrieben. Am 14. und 15. Juni
jeweils um 19.30 Uhr wird der CANTO GENARAL in der Auricher Stadthalle
zu hören und zu sehen sein. Dort werden sich etwa 200 Schüler der
Integrierten Gesamtschule Aurich-West, Lehrer
und Eltern die größte Mühe geben, ihr Erprobtes so gut wie möglich
auf die Bühne zu bringen - und das ist gar nicht so einfach, da
das Stück auf spanisch gesungen wird. Die Schüler haben sich mit
dem Projekt fast ein ganzes Jahr beschäftigt. „Wir mussten sogar
noch Überstunden machen, manchmal sogar ein ganzes Wochenende, damit
das Stück mit Orchester und Perkussionsgruppe richtig gut zusammen
passt!“ sagt Christan Backe (15) „Aber ich denke, wir haben das
ganz ordent-lich hingekriegt.“ Am 13. Juni findet ebenfalls um 19.30
Uhr noch eine öffentliche Generalprobe statt. Wer also am 14. oder
15. Juni nicht kann, ist dazu herzlich eingeladen.
von Malte
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