HIP HOP HORROR
Es war eigentlich mehr ein Zufällig-in-eine-Sache-hineinrutschen, als ein tatsächlich geplanter Urlaub, den ich zusammen mit einem Kollegen in Klitmöller (Dänemark) verbrachte. Es war einer dieser regnerischen Herbsttage, die den nahenden Winter physisch fühlen lassen, die diese unsagbare Kälte in den Körper treiben, die dann wie kleine grüne Gnome an den Knochen nagt, als mir das Angebot unterbreitet wurde, an einem Horrorfilm in Dänemark mitzuwirken. Als ein paar Leichen sollten wir fungieren.
Klar, sagte ich mir. Schaden kann’s nicht, mal zu sterben. Und so krallte ich mir meinen Kollegen nebst Mütterchens Autochen und fuhr in Richtung dänische Grenze. Kurz vor eben jener trafen wir dann das Team von ASTRO, der Kasseler Film-Firma, die dieses Unterfangen organisierte. 
Es waren sogar ein paar ASTRO-Fans ganz aus Stuttgart angereist, nur um ein paar Tage lang als untote Soldaten durch die Gegend zu taumeln.
Mit den Jungs und Mädels von ASTRO fuhren wir dann nach Klitmöller. Eine Mörderfahrt von an die achthundert Kilometern. Am Ende dieser Fahrt wartete jedoch ein bescheidenes Ferienhäuschen mit Swimming-Pool, Whirl-Pool, Sauna und Solarium auf die von der Fahrt geschwächten Reisenden.

Die Story des Films (geschrieben von Danilo Vogt und Oliver Krekel) ist schnell erzählt: Fünf Jugendliche, machen Urlaub in Dänemark, geraten in ein Dorf, das wie ausgestorben wirkt, werden mit untoten Zombie-Soldaten konfrontiert, ermorden ein paar Leute und werden dann selbst ermordet.
Glückliche Fügung des Schicksals: Da mein Kollege und ich länger in Klitmöller waren, als die zuerst angedachten Hauptdarsteller, wurden diese halt geknickt und er und ich wurden zu Hauptdarstellern. Ich spielte Tom, eigentlich mich selber, einen jungen, ausgeflippten, wahrscheinlich hirnkranken Jungen, der allerlei Blödheiten und Schabernack in den entlegensten Windungen seines gequirlten Hirnes ausdenkt. Mir gefiel die Rolle, zumal ich unseren Portier umbringe durfte und später auch selber geköpft wurde.

Im Prinzip macht es Spaß, zu sehen, wie ein Splatter-Film entsteht. Mit einem Budget von kaum mehr als 20.000 Mark schaffte es der Produzent und Hauptdarsteller Oliver Krekel, ein Ding mit Kopf und Fuß auf die Beine zu stellen. Aber es ist auch sehr desillusionierend, wenn man sich im Nachhinein mal ähnliche Horrorfilme anguckt. Man weiß ja im Prinzip immer, daß alles nur Spaß ist. Trotzdem macht es Spaß. Aber erst wenn man selber mal an sowas mitgewirkt hat, wird es langsam langweilig.
Das Blut ist ein Gemisch aus Mondamin, Wasser, Kakao und roter Lebensmittelfarbe, die Gedärme sind meterlange Wiener Würstchen oder dicke Spaghetti mit Tomatensoße, der abgetrennte Hals ist aus Plastik und ohne Musik ist ein Horrorfilm nur noch die Hälfte wert (seht euch einfach mal “Scream” ohne Ton an. Ihr werdet euch zu Tode langweilen, das kann ich euch sagen). Es ist aber auch schön zu sehen, dass man mit einer 12.000 Mark-Kamera etwas Ähnliches auf die Beine stellen kann, wie die Typen es in Hollywood mit dem Hundertfachen an Budget machen.
Aber nicht nur das Filmen war interessant, sondern auch die Stadt an sich. Am Strand standen hunderte von Bunkeranlagen herum und eine riesige Kanone war auch noch da. Klitmöller schützte im Zweiten Weltkrieg nämlich mit dem an der gegenüberliegenden Küste gelegenen Kristiansand die Einfahrt zum Skagerrak.
Auf diesem historischen Hintergrund basiert auch der Film, den wir drehten. Der heißt „The Fog 2“ und ist wohl ab Februar 2000 in der Videothek und ab Herbst 2000 im Handel erhältlich. Bei Autogrammwünschen und ähnlichem wendet euch bitte an die VENTIL-Redaktion. Ansonsten: Die Szene ist abgefrühstückt, ich habe fertig!
(sagte der Regisseur.)