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Die Clique von
Wolle
Auf den ersten Blick mag der gemeine Skater, der das ICA in ein sportliches
Ameisennest verwandelt, wenig mit den Gothics (sog. Schwarze), die nachts zu Tausenden die
Friedhöfe bevölkern, ge-meinsam haben. Ebensowenig wie die Juzies mit den
Börsen-Gymnasiasten. Und was haben schließlich die Death-Metaller mit den
Techno-Jüngern zu tun? Ganz einfach: Es sind alle von einander unabhängige Cliquen.
Alle Cliquen bis in die hinterste Ecke auf-zufisseln würde hier den Rahmen spren-gen,
deswegen will ich einfach mal nur die Wichtigsten von ihnen benennen.
Im Prinzip hat man vier verschiedene Sparten, die man als Oberbegriffe nehmen könnte:
Musik, Sport, Schule und Freizeit.
Musik
Die Musik spaltet sich auf in (in Klammern weitere Untergruppen): Rapper/Hip-Hop-per
(Wu-Tangs, Tupacs), Techno-Jünger (Easy-Listening, Progressive-Techno, Trance), Metaller
(Death-, Black-, Heavy-Metaller, Gothics, Gruftis), Popper, Punker und Alternative (das,
was übrigbleibt, wie Schlager, Crossover, Hippies, etc.).
Untereinander zeigen die Musik-Cliquen wenig Toleranz - der eigene Musikstil ist das
Nonplusultra und alles andere ist Scheiße. So könnte ein Rapper mit einem Death-Metaller
nie etwas anfangen.
Den Musikgeschmack einer Person er-kennt man häufig schon an der Kleidung. Rapper tragen
Baggy-Pants und XXL-Kapuzenshirts mit dem Logo ihrer Band drauf (bitte nicht verwechseln
mit den Skatern, auf deren Pullis man die Logos ihrer Lieblings Skatermaker findet),
Techno-Typen tragen zumeist H&M und Bodybags, Metaller tragen nur Schwarz, Popper
tragen was sie wollen, Punker zie-hen sich irgendwas zwischen Altkleider-container und
Mode von gestern an und Alternative tragen zumeist Hanf-Klamotten oder ausgetragene Jeans.
Sport
Die Sport-Cliquen spalten sich (logi-scherweise) auf in die einzelnen Spor-tarten,
wobei in dieser Region wohl oder übel das Skaten dominiert. Die Jünger tra-gen ihre
Kluft ihrem Verein / ihrer Sportart entsprechend. Borussia-Fans fröhnen dem
Biene-Maja-Look, Werder-Fans laufen rum wie Weihnachtsbäume und Bayern-Mün-chen-Fans
laufen sowieso rum wie Falsch-geld. Bei Fußball-Fans sollte man im Allge-meinen
aufpassen, dass man ihren jewei-ligen Verein nur hinter ihrem Rücken schlecht macht,
sonst kann es sehr wehtun.
Eine hierzulande inzwischen ausgestorbe-ne Clique (die sowieso nie so ganz präsent war),
waren die sogenannten Freestyler" (für Erwachsene: Breakdancer), die zu den
Charts ihre ganz speziellen Verrenkungen auf der Tanzfläche zelebrieren und sich auf dem
Rücken drehen und Salti schlagen.
Schule
Eine wichtige (wenn nicht sogar die wichtigste) Sparte ist wohl die Schule. Hier in
Aurich gibt es Hauptschüler, Realschü-ler, Gymnasiasten, IGSler, Sonderschüler,
Berufsschüler, Grundschüler/innen... Untereinander können die Schulen (wenn sie es auch
nicht so zeigen) sich auf den Tod nicht ausstehen. Ob es nun der Neid ist oder die
Verachtung, die aus ihnen spricht, man weiß es nicht.
Hauptschüler sagen den Gymnasiasten Arroganz nach, Gymnasiasten behaupten, Hauptschüler
seien dumm, Realschüler stehen irgendwie dazwischen und die IGSler hassen sich sogar
schulintern.
Freizeit
Die wohl umfangreichste Sparte ist die Freizeit. Hier gibt es alles vom
Briefmar-kensammler bis hin zum Börsenbesu-cher. Diese Menschen haben nichts
gegeneinander und können auch gut mit-einander. Die gängigsten Untergruppen sind hier:
Besucher bestimmter Discos (Old, Dinis, Schulz, Tiffany) / Kneipen (Börse, Brasse,
Hirsch, Kattul, Kai Uwe's) / anderer Örtlichkeiten (Kino, Jugendzen-trum, ICA),
Hobbyisten (Briefmarken-sammler, Fotografen, Filmegucker).
Eine der wichtigsten Cliquen hier sind wohl die JUZer oder Juzies, die Besucher des
Jugendzentrums. Sie treffen sich, um gemeinsam was zu trinken, Musik zu hören und Kicker
zu spielen. Sie sind ein großes, in sich friedliches Kollektiv an Geist-gleichen.
Hinzuzufügen wäre dem Ganzen, dass niemand in nur einer Clique sein MUSS. Ein Skater
kann sich ruhig auch mal mit ein paar Börsengängern vom Gymnasium treffen,
um am Ellernfeld Fußball zu gucken.
Warum aber gibt es überhaupt dieses Phä-nomen Clique? Was reizt jemanden
daran, sich so abhängig zu machen? Tatsächlich gibt es einige Individualisten, die gegen
den Strom schwimmen und sagen Laßt mich in Frieden, ich will alleine sein und
dadurch wiederum eine eigene Clique bilden.
Das Phänomen an sich existiert schon seit Urzeiten, jedoch noch nie in einem solchen
Umfang, wie heutzutage. Die jungen Leute scheinen Probleme mit ihrer Identitäts-findung
zu haben, woraus scheinbar eine ganz besondere Gier nach Zugehörigkeit resultiert. Heute
will doch jeder irgendwie dazu gehören. Zu was? Zu irgend was! Hauptsache
nicht allein sein!
Um dieses Thema sollen sich nun die nächsten Seiten und Artikel drehen, Euch Aufschluss
über all die Verwirrungen ge-ben und die Tür zum gegenseitigen Näherkommen öffnen. Ist
das alles nur ein großes Vorurteil? Oder doch nicht? Denn was ist die Welt anderes, als
eine große Clique? |