![]() von Merret |
segeln
auf dem Ijsselmeer in den Niederlanden ,,Oh je, das kann ja was werden..." so dachten wohl einige als bekannt wurde, dass man sich nun auf der Klassenfahrt eine Woche lang auf einem meterlangen Kahn gegenseitig auf die Pelle rücken wurden. Und die Lehrer mittendrin. Aber falsch gedacht. Auf unserem Kahn genauer gesagt auf unserem Drei-mast-gaffel-top-segel-schoner war es zwar eng und auch die Sanitäranlagen waren nicht so wie wir es von zu Hause gewohnt waren, aber wir sind ja immerhin schon sieben Jahre zur Schule gegangen, und somit ließ sich das aushalten. Am ersten Tag wurden wir mit Fachbegriffen, Sichereitsvorschriften, Anleitungen zum Segel setzen und wieder einholen etc. vollgestopft. So mußte man sich zumindest erstmal merken, wie das Segel hieß, das man setzen mußte. Es gab da eine ganz schöne Auswahl, von Besansegel über Fock und Flieger bis zu Innen- und Außenklüvern, und jeder sollte zur richtigen Zeit am richtigen Segel sein und am richtigen Tau ziehen (oder nachlassen), was mitunter eine der größten Schwierigkeiten war, denn an Bord wimmelt es vor Tauen. Und jedes einzelne hat seine eigene Funktion. Wenn man also, während man irgendwo entlang krabbelte, aus versehen ein Tau von seinem Haken löste, konnte es passieren, dass einem im nächsten Moment ein schwerer Holzbalken den Hinterkopf massierte. Auch steile Treppen, niedrige Decken und Hochbetten und die Lukendeckel bekamen dem Wohlbefinden nicht immer gut. Sprich: nach der Woche waren Arme, Beine und Kopf von blauen Flecken übersät. Das mag jetzt alles sehr beängstigend klingen, ist es aber nicht. Im Gegenteil, waren die Segel gesetzt und das Boot auf ,,hoher See" hatte man endlich seine lang ersehnte Freizeit. Anstatt langweiliger Rundfahrten, Wanderungen und Besichtigungen, wie sie auf anderen, ,,herkömmlichen" Klassenfahrten oft vorkommen, gab es ACTION PUR: Man setzte sich in den Aufenthaltsraum und hörte Musik, lag an Deck und bräunte sich, tummelte sich in den Kabinen oder kletterte ins Netz. Das Netz ist ganz vorne am Schiff, etwa 4 Meter über dem Wasser und dient dazu, dass die Leute, die in schwindelerregender Höhe auf einem Holzbalken herum rutschen, um Segel einzupacken, nicht ins Wasser fallen. In diesem Netz konnte man vorzüglich sitzen, sich unterhalten, lesen, faulenzen, braun werden oder ,,Vogel spielen". Zum ,,Vogel spielen" legt man sich auf dem Bauch in das Netz und guckt auf das Wasser, das tief unter einem plätschert. Weil man sich entweder vorkommt, als würde man übers Wasser fliegen, oder, als würde man gleich ins Wasser fliegen, äh, fallen, nannten wir das ,,Vogel spielen". Am Abend im Hafen fing der größte Spaß an. Die zwei anderen Klassen, die mit waren, hatten meistens schon angelegt. (Hieß es nicht, wir hätten das schnellste Boot?) Man knotete sich also an den anderen Schiffen fest, so dass man in einer Reihe lag, und alle, die an Land wollten, über die anderen Schiffe rüber latschten. Unsere Eltern hatten unterschrieben, dass wir in kleinen Grüppchen in einem vorher festgelegten Teil des jeweiligen Hafenortes herum laufen durften. Nun gut, aus dem vorher festgelegt wurde leider nichts, da sich die Lehrer meistens gleich nach der Ankunft in eine Kneipe bequemten, aber was solls. Man lief also in den Orten herum und suchte meistens nach Briefkästen, die in so geringer Anzahl vorhanden waren, dass ein paar Schülerinnen aus einer Parallelklasse ihre Karten intelligenter weise in einen Nachtbriefkasten einer Bank einwarfen, der eigentlich für Überweisungen etc. gedacht war. Oft gingen wir auch an den Strand und gingen schwimmen. Wenn wir auf unser Boot zurückkehrten war es meistens so um elf. Eigentlich war Deckruhe, jeder sollte in seiner Kabine und leise sein, aber das war unmöglich, denn unsere Lehrer, die den ganzen Tag nichts zu tun hatten, spielten Musik. Den ganzen Tag! Trompete, Banjo und Ouetschkommode, und wir konnten nicht einmal flüchten. Aargh. Was sonst noch so wissenswertes passierte, war, dass man viele Leute kennenlernte, meistens Deutsche Schüler auf Klassenfahrt. Einmal war sogar der lnternet-chatroom-flirt einer Freundin dabei, der dann aber doch nicht soo nett war, wie er sich dargestellt hatte. Wie auf jeder Klassenfahrt gab es natürlich auch mal wieder ein paar "Klassenfahrtsbeziehungen", die meistens nicht länger als eine Woche dauern (toi toi toi). Einmal durften wir uns bei voller Fahrt an einem Seil hinten ans Schiff hängen, natürlich mit Schwimmweste. In einem Supermarkt am zweiten Abend gab es ganz billig Riesenpacks knallbuntes Haargel, also rannten alle hin und kauften tonnenweise Gel. Eine ganz interessante Sache war auch, dass auf ein mal Bier auftauchte. Man lief also durch die Gegend und trank Bier. Eine Freundin, ich will jetzt netter weise den Namen nicht nennen, fand sich ziemlich cool, weil sie das trank, und meinte, sie wäre schon beschwipst (nach einer halben Flasche). Was sie nicht wußte, ist, dass jenes Gesöff, welches sie für Bier hielt, in Wirklichkeit Vitamalz mit vertauschtem Etikett war. Dumm gelaufen... Auf jeden fall war diese Klassenfahrt ein voller Erfolg, was auch an unserer Crew lag: Robert, unser Skipper (so ne Art Käpten), der für seine Wasserschlachten bekannt war, und Susanne, die deutsche Maat (so ne Art Matrose), die echt freundlich war und alles mit machte. Noch mal Danke an euch, und paßt das nächste mal auf, dass ihr keine Schuhcreme am Fernglas habt, das geht von den Augen so schlecht ab! |