| Der Freund eines Bruders des besten Freundes
einer Bekannten meines besten Freundes kannte mal jemanden, den ich dann auch in der Disco
traf. Ich sprach ihn darauf an, daß er wohl der sei, der er auch wirklich war. Und er
lächelte nicht. Sowieso verzog er während unserer Konservation absolut keine Miene. Ich
fragte mich, was er wohl hatte, und ihn fragte ich auch. Und dann erzählte er es mir: Er
hatte sich piercen lassen - in der Zunge. Jetzt hatte er eine Kugel auf der Zunge und eine
Lähmung im Gesicht. Wer heutzutage mit dem Trend gehen will, kommt nicht umhin, ein Tattoo oder ein Piercing zu tragen. Möglichst noch an einer auffallenden stelle, die noch abolut jungfräulich ist, denn Zunge und Bauchnabel sind ausgelutschten Kaugummis gleich, hat es doch schon fast jeder. Die Möglichkeiten sind heute unendlich: Brustnippel durchstochen, Kruzifixe unter der Haut, Bio-Tattoos, die angeblich verschwinden oder der so oft gepriesene Ring am Ding, sind längst eroberte Gebiete - wie der Mensch halt ist, strebt er nach Höherem, Neuerem, Innovativerem. Heraus kommen kreative Orgasmen wie Stacheln in der Kopfhaut oder zwiegespaltene Zungen. |
Dabei wird oft übersehen, daß Piercing gefährlich ist, wenn es nicht
fachmännisch abgefertigt wird. Die Jugendlichen sehen mehr denn je auf den Preis und
Greifem zu Billigerem. Ihr Pech, denn preiswert steht auch für schlechtere Qualität: In
irgendeiner verräucherten Hafenspelunke ist es bestimmt sehr viel preiswerter als beim
Heilpraktiker, aber es ist wohl niemandem egal, ob kleine Hepatitis-Bürschchen an der
Nadel fressen oder der ach so professionelle Piercer eine Fahne bis nach Meppen hat und
auch dementsprechend fahrige Bewegungen macht. |
Ärzte (die es auch wirklich sind und es nicht
nur behaupten) sagen, man sollte in eine Stube gehen, deren Behandlung ein Kumpel schon
erfolgreich überlebt hat, ohne das sogenannte "Wilde Fleisch", das nach eigenem
Ermessen wuchert, mit sich herumzutragen. Außerdem soll man vor dem Piercen einen
Hausarzt konsultieren, vor dem Tätowieren einen Hautarzt, und mit diesem alles noch mal
richtig durchlabern. Und auf nickelfreien Schmuck sollte man achten, da viele Menschen
darauf allergisch reagieren. Wer also gegen nickelige Jeansknöpfe, Brillengestelle oder
Ringe allergisch reagiert, sollte auch ein Schmuckstück wählen, das völlig nickelfrei
ist. Bewährt hat sich in der Praxis der absolut unallergische Chirurgestahl. Die
jeweilige Stube sollte sauber sein, ebenso wie auch die Geräte eine gewisse Sterilität
ausfweisen sollten. Fazit: Piercing ist kult und das Risiko ist flach zu halten - sonst wäre das Leben ja auch blöd und man stirbt. Und der mit dem gelähmten Gesicht, den der Freund eines Bruders des besten Freundes einer Bekannten meines besten Freundes kannte, wie auch ich, hat zwar immer noch sein gelähmtes Gesicht, aber er kann jetzt damit umgehen. |