Der Freund eines Bruders des besten Freundes einer Bekannten meines besten Freundes kannte mal jemanden, den ich dann auch in der Disco traf. Ich sprach ihn darauf an, daß er wohl der sei, der er auch wirklich war. Und er lächelte nicht. Sowieso verzog er während unserer Konservation absolut keine Miene. Ich fragte mich, was er wohl hatte, und ihn fragte ich auch. Und dann erzählte er es mir: Er hatte sich piercen lassen - in der Zunge. Jetzt hatte er eine Kugel auf der Zunge und eine Lähmung im Gesicht.

Wer heutzutage mit dem Trend gehen will, kommt nicht umhin, ein Tattoo oder ein Piercing zu tragen. Möglichst noch an einer auffallenden stelle, die noch abolut jungfräulich ist, denn Zunge und Bauchnabel sind ausgelutschten Kaugummis gleich, hat es doch schon fast jeder.

Die Möglichkeiten sind heute unendlich: Brustnippel durchstochen, Kruzifixe unter der Haut, Bio-Tattoos, die angeblich verschwinden oder der so oft gepriesene Ring am Ding, sind längst eroberte Gebiete - wie der Mensch halt ist, strebt er nach Höherem, Neuerem, Innovativerem. Heraus kommen kreative Orgasmen wie Stacheln in der Kopfhaut oder zwiegespaltene Zungen.

wolle.gif (24038 Byte)
von Wolle

 

Dabei wird oft übersehen, daß Piercing gefährlich ist, wenn es nicht fachmännisch abgefertigt wird. Die Jugendlichen sehen mehr denn je auf den Preis und Greifem zu Billigerem. Ihr Pech, denn preiswert steht auch für schlechtere Qualität: In irgendeiner verräucherten Hafenspelunke ist es bestimmt sehr viel preiswerter als beim Heilpraktiker, aber es ist wohl niemandem egal, ob kleine Hepatitis-Bürschchen an der Nadel fressen oder der ach so professionelle Piercer eine Fahne bis nach Meppen hat und auch dementsprechend fahrige Bewegungen macht.
Mit Pierciung wird viel Schindluder getrieben, da mit jedem neuen Körperteil, das Piercings Platz bietet, hunderte von neuen Piercing-Palästen aus dem Erdboden schießen. So steht der potentiell Gepiercte in einem Dschungel verschiedenster glamouröser Piratenstuben mit Piercing-Angebot und vergleicht die Preise, jedoch nicht die Qualität.

Ärzte (die es auch wirklich sind und es nicht nur behaupten) sagen, man sollte in eine Stube gehen, deren Behandlung ein Kumpel schon erfolgreich überlebt hat, ohne das sogenannte "Wilde Fleisch", das nach eigenem Ermessen wuchert, mit sich herumzutragen. Außerdem soll man vor dem Piercen einen Hausarzt konsultieren, vor dem Tätowieren einen Hautarzt, und mit diesem alles noch mal richtig durchlabern. Und auf nickelfreien Schmuck sollte man achten, da viele Menschen darauf allergisch reagieren. Wer also gegen nickelige Jeansknöpfe, Brillengestelle oder Ringe allergisch reagiert, sollte auch ein Schmuckstück wählen, das völlig nickelfrei ist. Bewährt hat sich in der Praxis der absolut unallergische Chirurgestahl. Die jeweilige Stube sollte sauber sein, ebenso wie auch die Geräte eine gewisse Sterilität ausfweisen sollten.

Fazit: Piercing ist kult und das Risiko ist flach zu halten - sonst wäre das Leben ja auch blöd und man stirbt.

Und der mit dem gelähmten Gesicht, den der Freund eines Bruders des besten Freundes einer Bekannten meines besten Freundes kannte, wie auch ich, hat zwar immer noch sein gelähmtes Gesicht, aber er kann jetzt damit umgehen.

zurück zu VENTIL8 | zurück zur VENTIL Hauptseite