Heiliger Bimbam
Matthäus-Kirche Wallinghausen; Pastor Jannsen im VENTIL- Interview

VENTIL: Worum geht es eigentlich bei der Konfirmation? Was für ein „tieferer Sinn“ steckt dahinter?

Janssen: Konfirmare heißt Bekräftigung; Be-stätigung des Glaubens. Es steckt dahinter, daß die Kinder, die zumeist im Babyalter getauft wurden, in einem entsprechenden Alter die Gelegenheit haben, außerhalb des Eltern-hauses sich über Sinn und Hintergründe des Glaubens zu informieren. Zur Information sollte der Konfirmandenunterricht dienen an dessen Ende der Jugendliche sich zum christlichen Glauben bekennen kann.

VENTIL: Warum ist die Konfirmation (gerade heute?) für Jugendliche so wichtig?

Janssen: Weil sie innerhalb des Unterrichts Hintergründe des Glaubens erfahren.

VENTIL: Was, glauben Sie, bedeutet den Jugendlichen die Konfirmation? Wittern die einfach nur das Geld oder steckt wirklich Ernstes dahinter?

Janssen: Das Geld ist natürlich nicht un-wichtig, und wer sagt, daß er sich nicht auch ein bißchen wegen des Geldes konfirmieren läßt, lügt sich in die eigene Tasche. Die Beträge nehmen nur mittlerweile fragwürdige Ausmaße an. Wir legen bei uns viel Wert darauf, den Konfirmanden klar zu machen, daß Geld nicht der einzige Grund sein sollte, sich konfirmieren zu lassen, denn auch wenn man viel Geld bekommt, ist es auf jeden Fall ein schlechter Stundenlohn. Wenn wir jedoch merken, daß ein Kind den Konfirmandenunter-richt nur des Geldes wegen mitmacht oder weil die Eltern erwarten, daß es sich konfirmieren läßt, denn reden wir mit Eltern und Kind. Aber bei den meisten ist schon reges Interesse für Kirche und Glauben vorhanden.

VENTIL: Warum, glauben Sie, haben die Jugendlichen heutzutage weniger mit Kirche am Hut? Veraltet die Kirche zusehends?

Janssen: Die Kirche tut sich in den letzten 15-20 Jahren zusehends schwerer damit, eine Sprache zu finden, die Jugendliche anspricht. Gottesdienste in der evangelischen Kirche laufen größtenteils über den Kopf und sprechen damit nicht unbedingt Jugendliche an. Deshalb ist unsere Aufgabe auch, nach neuen Wegen und Möglichkeiten zu suchen.

VENTIL: Was für Angebote haben Sie für Jugendliche, um ihnen den Konfirmanden-unterricht schmackhaft zu machen? Oder machen Sie sich darum keine Gedanken?

Janssen: Wir versuchen mittlerweile projekt-bezogen zu arbeiten, indem wir Betriebe auf-suchen, so daß dort auch mit anderen Leuten gesprochen werden kann. Zudem bieten wir wie alle Gemeinden Konfirmationsfreizeiten an. Parallel zum Konfirmandenunterricht kön-nen die Konfirmanden an der Jugendgruppe teilnehmen.

VENTIL: Wie viele Konfirmanden konfirmieren Sie etwa im Jahr?

Janssen: Zwischen 60 und 80.

VENTIL: Viele Jugendliche sehen in Gott nur einen alten Mümmelgreis mit weißem Bart, der auf einer Wolke sitzt. Würden Sie die heutige Jugend als „gottlos“ bezeichnen?

Janssen: Auch ältere Menschen haben oft dieses etwas obskure Gottesbild. Sie spre-chen es nur im Gegensatz zu den Jugend-lichen nicht aus. Die Schwierigkeit hierbei liegt beim Gebot, das besagt „Du sollst Dir kein Bild von Gott machen“. Sobald man sich ein Bild macht, ist es eigentlich nicht mehr Gott. Alles, was ich in ein Bild fassen kann, oder was ich mir vorstellen kann, das ist für mich auch machbar, das kann ich auch manipulieren und dirigieren. Das entspricht ja eigentlich nicht dem, was wir uns unter Gott vorstellen. Ich würde die Jugend heutzutage nicht als „gottlos“ bezeichnen - sie fragen einfach nur nach.

VENTIL: Glauben Sie, daß der Gottesdienst der heutigen Zeit angemessen ist, oder sollte man ihn nicht irgendwie interessanter für Jugendliche gestalten?

Janssen: Am besten wäre wenn die Gottes-dienstform so wäre, daß man das hinkriegen würde, daß Jungs und Alt sich dort einiger-maßen wohl fühlen könnten. Das wird immer wieder probiert, aber damit haben wir ein paar Schwierigkeiten: Zur Zeit gibt es da noch eine Generation, die sich auch kirchlich noch sehr gebunden fühlt, die in ganz anderer Weise kirchlich aufgewachsen ist, in sehr strenger Form. Und dann sind da noch die ganz kleinen Kinder, denen man auch gerecht werden muß - in der Kirche ist das also sehr schwer.

VENTIL: Ist es nicht eine Art „Lebenslüge“, wenn sich junge Leute das alles nur antun, damit am Ende abgezockt werden kann? (Weil man ja nicht blöd sein will, was man ja wäre, würde man auf diese Gelegenheit verzichten...)

Janssen: Es wäre blöd, diese zwei Jahre nur des Geldes wegen zu machen. Da gibt es si-cherlich auch ganz andere Möglichkeiten, schneller an das gleiche Geld zu kommen. Das ist also wirklich nicht das Problem, aber es ist sicherlich auch keine unwichtige Sache. Wir haben jedes Jahr auch immer zwei, drei Jugendliche dabei, die noch nicht getauft worden sind, die dann getauft werden müssen, denn erst durch die Taufe gehört man der Gemeinde an, nicht durch die Konfirmation. Ich frage dann immer das Kind, nicht die Eltern, ob es getauft werden will. Will es, dann sehe ich daran, daß wirkliches Interesse am Glauben und an der Kirche besteht. Und dann müßte die Konfirmation auch nicht mehr sein. Taufe und Konfirmation zusammen sind zusagen doppelt gemoppelt, das wäre ja Blödsinn.

VENTIL: Vielen Dank für dieses Gespräch.

VENTIL-Redakteurin Mareke sprach mit Pastor Jannsen
und Wolle hatte die Arbeit mit dem Abtippen.

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