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Alles nur Show? Gedanken eines Konfirmanden von Jonas Ich
werde am 16. Mai konfirmiert. Na und, werdet Ihr Euch jetzt wahrschein-lich denken, es
werden diesen Frühling ja wie-der Millionen Jugend-liche in Deutschland konfirmiert oder
gehen zur Kommunion. |
| Weil sie der Kirche angehören wollen, wäre vielleicht die erwartete
Antwort. Doch das, glaube ich, ist bei den wenig-sten der Grund. Die meisten wollen
einfach nur eine einmalige Taschen-gelderhöhung haben. Einige Jugend-liche müssen sich
vielleicht auch wegen der Großeltern oder anderen Verwand-ten konfirmieren lassen, für
andere ist das Tradition. Doch die, die an Gott glauben, sind in der Unterzahl. Ich zum Beispiel gehe wegen des Glaubens zum Konfirmationsunterricht und finde die meisten Ideen des Evangeliums sehr gut, und lasse mich des-wegen konfirmieren. Unsere Konfirmationsgruppe hatte einen sehr netten Pastor, der Unterricht hat wirklich Spaß gemacht, war locker und schön. Die, die sich wegen des Geldes konfirmieren lassen, haben den Unterricht nicht gestört und keiner hat gemeckert, wann wir denn jetzt endlich Pause machen würden. Die Konfirmandenfreizeit, die wir zusammen nach dem ersten Vierteljahr verbracht haben war sehr schön. Ich war richtig glücklich, so eine ruhige Gruppe und so einen netten Pastor bekommen zu haben. Der ging aber leider nach einem Drei-viertel Jahr in den Erziehungsurlaub und wir bekamen einen Neuen. Es ist ein sehr junger Pastor, keine dreißig Jahre alt. Er ist ein bißchen unsicher und kann uns Jugendliche nicht so leicht zur Ruhe bringen. Außerdem ist sein Unterricht nicht so interessant wie der, den wir bisher hatten, so daß alle, die den "Kofi" nicht wegen des Glaubens mitmachen, die Gelegenheit ergreifen, um private Ge-schichten auszutauschen. Selbst wir drei oder vier, die wegen des Glaubens da sind, beneh-men uns daneben, so daß der Pastor über-haupt keine Chance hat, sich durchzusetzen. So fehlen uns ein paar Minuten, aber wenn der Pastor überzieht, brechen alle Protestrufe hervor, daß wir jetzt aber endlich Schluß machen müßten. Einige beten nicht einmal mehr das Vaterunser mit, da sie sich anziehen müssen, um den Raum ja nicht zu spät zu verlassen. Diese Eile, finde ich, ist total übertrieben und unverschämt. Ich möchte mich jetzt zwar nicht zum bravsten Schüler des Pastors stempeln, denn auch ich finde diese Stunde am Mittwoch Nachmittag längst nicht mehr so interessant wie letztes Jahr, als wir in der ersten Stunde immer irgend-etwas gespielt, gelesen oder vorgelesen gekriegt haben und nur in der zweiten Stunde arbeiten mußten, außerdem war der Unterricht ruhiger. Und auch der Unterrichtsstoff war nicht so schwer" und langweilig. Wir mußten zwar in beiden Jahren kaum etwas auswendig lernen, trotzdem gefiel mir der Unterricht im ersten Jahr besser. Wir sind 17 Jugendliche, 8 Jungen und 9 Mädchen. Das Folgende ist ein Beispiel einer Konfirmationsdoppelstunde: 15.00 Uhr: Alle warten darauf das der Pastor kommt und den Raum aufschließt. 15.05 Uhr: Alle sitzen im Kreis der Pastor schreibt auf wer von den 17 Leuten da ist. 15.07 Uhr: Der Pastor stellt das Thema des heutigen Un-terrichts vor und erklärt den Sinn der Sache. (Zum Beispiel Abendmahl). 15.10 Uhr: Wir bekommen unser Startmaterial (zum Beispiel ein Kapitel aus der Bibel) und müssen eine Geschichte dazu schreiben, oder heraus-finden was wir an der stelle der Person getan hätten. 15.30 Uhr: Alle lesen ihre Geschichte(n) vor und wir diskutieren über den (Un)sinn der Geschichte. 15.45 Uhr: Der Pastor verteilt einzelne Pappstückchen auf denen einzelne Abschnitte des Verses drauf stehen der zum Abendmahl gesagt wird und wir müssen versuchen sie in der richtigen Reihenfolge vorzulesen. 15.55 Uhr: Zehn Minuten Pause. 16.05 Uhr: Alle sitzen im Kreis und warten auf weitere Aufgaben. 16.06 Uhr: Wir sollen uns in Zweiergruppen aufteilen und der Pastor teilt ein paar Kärt-chen aus auf denen eine Situation und eine Figur beschrieben sind die wir hinterher darstellen sollen. 16.07 Uhr: Die Gruppen beschäftigen sich mit den Kärtchen, während die 5 Personen die keines abbekommen ha-ben zugucken. 16.08 Uhr: Die, die Karten abbekommen haben setzen sich in der Mitte zusammen und versuchen die beschriebene Situation zu lösen, während die Anderen zu-gucken und bewerten sollen. 16.38 Uhr: Das Stück ist in einem einzigem Geschrei geendet, und wir sitzen wieder alle im Kreis und sprechen über das Geschehene. Der Pastor liest die richtige Lösung vor. 16.40 Uhr: Wir sollen alle zusammen das Vaterunser beten und damit die Stunde beenden. (4 oder 5 Personen beten nicht). 16.42 Uhr: Der Pastor läßt uns etwa 20 Minuten vorher gehen. Fazit: Diese Version einer Konfirmationsstunde ist ganz lustig und schön, kommt aber leider selten vor. Im großen Ganzen hat mir der gesamte Unterricht aber doch Spaß gemacht. Doch jetzt kommt ein neues ,,Problem": Wie feiert man die Konfirmation,, mit wem, wann und wo?! Diese Frage dürfte zur Zeit in sehr vielen Köpfen der Eltern und Jugendlichen herumgeistern. Laden wir die ganze Familie ein oder nur ein paar Freunde, feiern wir zu Hause oder in einem Lokal? Was kocht man? Wer mag was? Kocht man italienisch, deutsch oder chinesisch, oder geht man doch besser essen? Doch wieder stellt sich die Frage: Wohin? Und was macht man nach dem Essen? Einen Spaziergang? Das geht leider wegen der fußkranken Großtante nicht, also spielt man etwas. Doch da taucht schon wieder die Frage auf: Was? Ist es nicht zu kompliziert für die 84-jährige Groß-mutter? Und: Wann gibt es Kaffee, wann müssen die lieben Verwandten wieder nach Hause fahren oder wer schläft wo? Ich zum Beispiel habe zwei ganz verschiedene Großeltern und das kann beim Essen eine Menge Probleme geben. Im Endeffekt bin ich, glaube ich, froh, wenn ich meine Konfirmation hinter mir habe. Ich werde zwar auch dann noch ab und zu in die Kirche gehen, habe dann aber etwas mehr Entscheidungsfreiheit. Selbst wenn man all diese Fragen beantwortet hat und alles gut zu laufen scheint, kann immer noch etwas dazwischen kommen: Das Wetter wird schlecht, also kann die Fahrradtour nicht stattfinden, oder der Spazierweg im Wald ist nur noch ein einziges Schlammbad!!! Doch wenn alles vorbei ist, dann ist man glücklich gefeiert zu haben, außerdem sind die ganzen Geschenke so schön oder das Konfirmationsgeld ist reichlich ausgefallen. Jetzt kehrt wieder Ruhe in den Haushalt ein, bis zum nächsten Familienfest. |