Alles nur Show?

Glaube, Geld &

Jetzt sitze ich hier nun als überzeugte Heidin und schreibe über Konfirmanden, obwohl ich davon soviel Ahnung habe, wie Gerhard Schröder vom Haarefärben. Mit Kirche allgemein habe ich auch nicht soviel am Hut, weil ich nicht getauft bin und auch sonst nicht so an diesen ganzen Sachen interessiert bin. Trotz alledem, oder vielleicht gerade deshalb (?), habe ich mich netterweise für euch schlau gemacht und einige Leute befragt, die es eigentlich wissen sollten: die KONFIRMANDEN.
Hier präsentiere ich euch das Ergebnis:

„Confirmandus“ kommt aus dem Lateinischen und heißt „der zu Bestärkende“, „confirmare“ bedeutet „einen evangelischen Jugendlichen nach vorbereitendem Unterricht feierlich in die Gemeinde der Erwachsenen aufnehmen“ - diese Definitionen gibt jedenfalls das Fremdwörterlexikon „Schülerduden“, das in der VENTIL-Redaktion beim Computer rumliegt. Was ist damit aber wirklich gemeint?
Bei dem Wort „Konfirmation“ denken doch die meisten an Partys, Geschenke von Verwandten, massenhafte Glückwunschkarten und viel Geld (Experten, sprich: Leute, die es schon hinter sich haben, sprechen von Beträgen zwischen 2000 und 5000 DM).
Ferner fallen einem ätzende Familienfeiern ein, mit vorher nie gekannten Tanten und
endloses Rumsitzen in langweiligen
Gemeindesälen mit nicht enden wollenden Predigten von genervten Pastoren, die einem Moral und Tugend oder sonst was eintrichtern wollen. Gemeint ist aber: „die feierliche Aufnahme junger evangelischer Christen in die Gemeinde der Erwachsenen“.
Aha! Also evangelischer Christ muß man sein, um dermaßen „bestärkt“ in die böse, hinterlistige Welt der Erwachsenen zu gelangen, die einem bislang gar nicht so „christlich“ vorgekommen war. So viel zu den „Evangeliken“.
Bei den „Katholen“ heißt diese „Starkmacher-Show“ Firmung oder Kommunion und findet ein paar Jahre früher oder später statt (beides ist so ne Art Zwei-Teile-Konfirmation, wobei der erste Teil, die Kommunion,

stattfindet, wenn man etwa 6 Jahre alt ist, und den zweiten Teil, die Firmung, eine Art Salbung mit Handauflegung durch den Bischof, die der Kräftigung des Glaubens dienen soll, erlebt man mit 16 Jahren.
Als Alternative zu diesen christlichen Ritualen gibt es dann noch die „Jugendweihe“. Sie wurde im 19. Jahrhundert von freien religiösen Gemeinden und Organisationen (wie zum Beispiel dem Freidenkerverband) entwickelt, und später in der DDR als „fester Bestandteil zur Vorbereitung junger Menschen auf das Leben und die Arbeit in der sozialistischen Gesellschaft“ im Jugendgesetz verankert.

Aber nun zurück zu den Christen: Daß die Silbe „firm“ sowohl in Konfirmation, als auch in Firmung vorkommt, habt ihr sicher auch schon bemerkt, „firmare“ hat irgendwie was mit bestärken zu tun, das konnte man dem Fremdwörterlexikon ja bereits entnehmen. Also gibt es eine Ähnlichkeit zwischen den „Jugendbestärkungen“ der beiden Religionen, was nicht weiter erstaunlich ist, da beide christliche Religionen sind.
Und wie wird man Christ?
Richtig, man läßt sich taufen. Das ist dieses Ritual, welches bei mir nicht vollzogen wurde und bei dem man “heiliges (geweihtes) Wasser über den Kopf gegossen kriegt. Meistens wird man schon als klitzekleines Baby getauft. Also völlig ungefragt. Da entscheiden einfach schon mal die Eltern, damit man später in die christliche Gemeinde aufgenommen werden kann.
So viel zur Begriffserklärung.

Bevor man jedoch konfirmiert wird, geht man erst mal etwa 2 Jahre, jeweils ca. 4 Stunden im Monat, zum sogenannten
,,Kofi“ oder auch „Kuffi“, obwohl
es ja eigentlich ,,Konfi“ heißen müßte, denn es heißt ja nicht ,,Kuffirmandenunterricht“.
Beim „Kuffi“ werden, wenn man einigen unzufriedenen Konfirmanden, glauben darf, langweilige Theaterstücke angeguckt oder man redet mit dem Pastor über Gott und die Welt

 

Der Konfirmanden - Report

Gruppenzwang

(Übrigens: Pastor ist evangelisch und Pfarrer ist katholisch, wußte ich vorher auch nicht.)

Zwischendurch muß man ab und zu auch den Sonntags-Gottesdienst in der Kirche besuchen, bei sogenannten ,,Projekten“ mitmachen (z.b. bei Seniorenkeisen Kaffee kochen etc.) oder ,,darf“ (wie nett !) mit seiner Gruppe gesellige Fahrten nach Esens, Moordorf, Wallachutten und Umgebung oder ähnliche Kuhdörfer machen.
Beim „Kofi“ lernt man die Grundsätze des evangelischen Glaubens und es soll einem gezeigt werden, was es heißt, als Christ in dieser Welt zu leben. Aber viele der von mir befragten Konfirmanden gaben an, überhaupt nicht an Gott zu glauben oder an die Sachen, die einem so im Unterricht erzählt werden! (Die ganze Mühe der armen Pastoren ist danach also ganz umsonst, schluchz...)

Da stellt sich für mich natürlich die Frage, warum gehen die Leute dann überhaupt hin? Ist es Gruppenzwang, will man / muß man einfach dazu gehören, wer da nicht mit macht ist blöd (Bin ich blöd ???) oder ist es gar Geldgier?
Die meisten wissen es selber nicht. Es ist ihnen vermutlich auch einfach egal.
Ich finde es jedenfalls total daneben, zur Kirche und zum Kofi zu gehen und in die Gemeinde aufgenommen zu werden wenn man an diesen Stoff überhaupt nicht glaubt!

Ich habe den Verdacht, daß die Leute, wenn sie einmal getauft sind praktisch in eine große Drehtür hinein gehen (bzw. reingesetzt werden) und sich einfach drehen lassen: Kirchliche
Trauung, Taufe der Kinder und so geht das dann immer weiter bis zur eigenen Beerdigung. Und dann wird man rausgekickt.
Wer nicht getauft ist, kommt gar nicht erst in diese Drehtür hinein und dreht sich auch nicht bei allem mit. Ich bin froh, daß ich da nicht drin bin. Ich finde, jeder sollte selbst entscheiden, ob er da rein geht oder einfach draußen bleibt. Mir jedenfalls wird vom drehen übel.

 

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