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Interview mit . . .

23.00 Uhr, Freitag abend im Hirsch. Gute Freunde sitzen am Tisch gleich neben dem Eingang und schreiben sich gegenseitig etwas auf einen kleinen Zettel. Was das soll? Sie (17) unterhält sich mit ihm (ebenfalls 17) über das Thema Homosexualität. Er ist schwul, steht auch dazu, möchte aber aufgrund möglicher Anfeindungen, die daraus resultieren könnten, anonym bleiben. Los geht´s:

Glaubst du, daß es nicht vielleicht sinnlos sein könnte, über dieses Thema ein Interview zu führen, da doch jetzt mittlerweile jeder darüber Bescheid wissen und es von allen toleriert und akzeptiert werden sollte?

Ich denke, daß "es" mittlerweile zwar toleriert, aber noch nicht ganz akzeptiert wird. Viele assoziieren mit dem Begriff "Homosexualität" diese affektierten "Transen", weil eben die meisten nicht einmal auf diesem Gebiet differenzieren können.

Woher, denkst du, mag das kommen?

Vieles wird einem durch die Medien indoktriniert: in diversen Komödien spielt zumindest ein Homosexueller mit - schwul oder lesbisch - in der Rolle des guten Freundes (natürlich total abgedreht, überkandidelt und schrill dargestellt) mit. Sie sind in solchen Filmen dazu da, sich die Probleme und Nöte der Heteros anzuhören.

Du meinst also, daß Homosexuelle in den Medien viel zu übertrieben dargestellt werden und sich Jugendliche dadurch ein falsches Bild machen. Was wäre der richtigere Weg?

Ich glaube, daß so ein Thema clichéfrei und objektiv behandelt werden sollte, und finde es deswegen klasse, daß Ihr so offen darüber berichtet.

Sehr viele gehen aber nicht so offen mit der Homosexualität um und viele halten es sogar für moralisch verwerflich. Hast du mit solchen Leuten schon Erfahrungen gemacht?

Sicherlich gab es schon mal kleine Zwischenfälle, aber im Allgemeinen komme ich damit ganz gut klar. Die Menschen in meinem Umfeld nehmen mich so, wie ich bin.

Freunde sind die also sehr wichtig. Unterstützen sie dich auch?

Absolut. Ich kann ihnen alles anvertrauen, und das finde ich sehr wichtig. Wenn jemand hinter dir steht, fällt es dir viel leichter, dazu zu stehen.

Du bekommst also meist von Fremden Sprüche zu hören. Schwul zu sein, scheint also für sie ein Schimpfwort zu sein. Warum ist das so?

Schwäche ist ein wunder Punkt bei vielen, vor allem aber bei männlichen Jugendlichen. "Schwuchtel", "Schwule Sau" und ähnliches sind, glaube ich, das Schlimmste, was man einem pubertierenden Jungen an den Kopf werfen kann. So etwas ist Gift für das männliche werdende Ego. Eigentlich müßte mir "Schwulsein" demnach sehr schwerfallen, jedoch ist es ja eigentlich nur eine andere Art, seine Sexualität zu leben. Weiter nichts.

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