Okko ist exorbitant!
| Okko
Eibo Eiben (53) kann man wohl getrost als ein Auricher Original bezeichnen, das allerdings
auch weit über die Grenzen dieses Landkreises hinaus bekannt ist. Bärbel Schäfer, Sonja
Zietlow und der Ohrner - Okko kennt sie alle. Er liebt seinen Hund, geht einkaufen und
wohnt in einem Haus. Soweit die Übereinstimmungen zum Otto Normalverbraucher. Was aber
ist anders an diesem Mann? Schon im Kinderwagen wußte Okko, daß er "so unterleibstechnisch" mit Frauen nicht viel anfangen kann, und orientierte sich eher zum Gegenteil hin. So brauchte er sich nie zu outen - er war es immer schon. In der Schule und später bei der Bundeswehr gab es damit nie Probleme. Klar wechselte das eine oder andere böse Wort den Besitzer, aber so etwas muß man wegstecken, wenn man nicht als Zielscheibe gelten will. Er kam schon immer mit Mitschülern, Lehrern und seiner restlichen Umwelt klar. Ob man eine Zielscheibe bildet oder nicht, liegt an einem selber, an seiner persönlichen Art, wie man sich gibt. Aber er ist alles andere als ein Frauenhasser. Wie so unendlich viele Schwule mag er Frauen. Nur was den Sex angeht, soll man sie von ihm fernhalten. So ist er heute noch Jungfrau, hat mit einer Frau nie mehr als nur Spucke getauscht. Sein erstes Mal mit einem Mann erlebte er im nicht mehr ganz zarten Alter von 20 Jahren. Er sieht sich selbst als Spätzünder. Bis heute führte er ein fast schon konsequent abstinentes Leben. Er ist halt nicht sex-orientiert. Eine echte Beziehung hatte er bis heute noch nicht - allenfalls ein paar Affären.
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Bis vor kurzem konnte man Okko noch in wenig dezenten Klamotten durch die Auricher Fußgängerzone flanieren sehen. Dieses Unterfangen hat er jedoch aufgegeben. Er will schließlich nicht provozieren. "Ich will nicht ständig den Beifall von der falschen Seite ernten", sagt er. Und so "veredelte" er seine Linie. Mit den Aurichern hat er keine Probleme. Er wird nicht angepöbelt und ihm werden keine Schimpfworte hinterhergeschmissen. Was man hinter vorgehaltener Hand über ihn sagt, das geht ihm am Arsch vorbei. Er sieht sich hier in Aurich sehr etabliert, es gibt viele Leute, die ihn mögen. In der heutigen Zeit sieht er einen ganz klaren Trend hin zum Schwulsein. Immer mehr Jugendliche werden homosexuell veranlagt. Das Problem sei, daß Kleinstädte wie Aurich ein schlechter Nährboden für nicht Durchschnittliches sind, und sich viele der Jugendlichen aus Angst vor übler Nachrede oder ähnlichem gar nicht erst outen. Städte wie Köln ("Die Stadt der Städte für Liebe, Erotik und Sex") und Hamburg ("Stadt für Lebensart und -qualität") seien dazu besser geeignet. Hier hält sich Okko viel lieber auf. |
Was soll jemand nun tun, der
gerade merkt, daß er selber nicht der Norm entspricht, und trotzdem in Aurich lebt? Die
Grundvoraussetzung, nicht an sich selbst zu scheitern, ist für Okko, zu sich selbst zu
finden und zu bekennen. Dieses Leben soll man dann konsequent leben, sich nicht leben
lassen. "Wie kann mir eine Kirche, ein Papst oder ein Staat vorschreiben, wie ich zu
leben habe?" Sich zu verstecken wäre das Letzte, da man so niemals den Mann seiner
Träume finden kann. Aber Okko sucht gar nicht erst nach dem Mann seiner Träume, denn er weiß: Irgendwann wird er im Supermarkt an der Kasse stehen und vor ihm wird ein süßer Kerl stehen, der ihn, und nur ihn, herzerweichend anlächelt. Okko ist ein leidenschaftlicher Uniformensammler.. Das sei sogar schon ein bißchen Fetisch. Er leidet unter einem starken Vaterkomplex, aus dem, seiner Meinung nach, sein Schwulsein resultiert. Sein Vater war frankokanadischer Abstammung und als hoher Offizier zur Zeit der deutschen Besatzung hier stationiert. Okko ist also eine Besatzungshinterlassenschaft. Er vermißt seinen Vater ungemein und sucht sich so jetzt in der Schwulenwelt einen passenden Ersatz. Okko findet, die Menschen sollten sich und anderen gegenüber mehr Toleranz zeigen. Es sei schwer, sich als Schwuler durchzusetzen, man sollte es den Schwulen nicht durch Intoleranz noch schwerer machen. "Es gibt nichts Schöneres als die wahre Liebe!" Weise gesprochen, Okko. |