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Aktuelles
miraculum – das kleine Wunder
Kunstschule & MachMitMuseum der Stadt Aurich
Aurich hat ein kleines Wunder, genau genommen sogar zwei. Denn dass die Stadt den Mut hat, hier einen Kulturort für Kinder zu bauen und sich freiwillig eine Kunstschule und ein Kindermuseum auflädt, das sucht seinesgleichen – das findet man nirgendwo in der Region. Eine Stadt, die in die kulturelle Bildung ihrer Kinder investiert, ist etwas Besonderes im strukturschwachen Ostfriesland und angesichts knapper Haushaltskassen grenzt es wirklich an ein Wunder.
Entstehung
Eine Kunstschule gibt es schon seit 1982 in Aurich. Als kreativ-künstlerisches Anhängsel der Kreismusikschule bemüht man sich hier von Anfang an um ein eigenes Profil im außerschulischen Bildungskontext und gewinnt bald Anerkennung über die Inszenierung kooperativer Musical-Projekte. Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 20 Jahren arbeiten hier gemeinsam auf ein Ziel hin und finden unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten in den Bereichen Bildende Kunst, Tanz, Musik und Theater. Die Mitarbeiter/innen bilden dabei eine besondere Form der inhaltlichen, thematisch orientierten kunstpädagogischen Arbeit heraus, deren Ergebnisse immer auch der Öffentlichkeit präsentiert werden.
10 Jahre später ist daraus ein eigenständiges ganzjähriges Angebot geworden, mit dem man sich als „Kunst & Co“ der Musik- und Kunstschule des Landkreises Aurich speziell an 6-10jährige Kinder wendet. Dabei wird ein entsprechend aufbereitetes Thema nachvollziehbar, spielerisch und mit allen Sinnen erlebbar gemacht und der Projektraum als inszenierter, sich verändernder Erlebnisort mit einbezogen (Themenbeispiele: Indianer, Dinosaurier, Traumzirkus, Sternenreise, Mittelalter, Zeitmaschine).
1997 bildet das Kursprojekt „Im Land der Pharaonen“ mit über 50 teilnehmenden Kindern eine Schlüsselerfahrung für die Mitarbeiter/innen der kleinen Kreativabteilung. Denn das gesamte Projekt gelingt so überzeugend, dass alle Kinder, Eltern und Veranstalter der Meinung sind, daraus müsse man mehr machen. Die im Projektverlauf gestalteten Räume, Kostüme, Objekte, Malereien, Anregungen und Ideen seien eigentlich viel zu schade, um auf Dachböden oder in Schubläden wieder zu verschwinden.
Ein Jahr darauf wird dem Stadtrat ein Konzept vorgelegt, das erstmals die Idee von Kunstschule & Kindermuseum für Aurich und Ostfriesland formuliert und mit dem die Initiatoren eine Trennung von der Musikschule und die Übernahme der Kunstschule in städtische Trägerschaft anvisieren. Im September 1998 startet „Kunst & Co“ mit Unterstützung der Stadt und des niedersächsischen Landesverbandes der Kunstschulen die erste Mitmachausstellung, um den sehr skeptischen Politikern wie auch der breiten Öffentlichkeit im wahrsten Sinne „be-greifbar“ zu machen, was in dem Konzept steckt. „Schon gehört?“, von AKKI Düsseldorf ausgeliehen, wird ein voller Erfolg und überzeugt, vor allem auch finanziell, die Politik.
Am 7.12.1999 beschließt der Stadtrat, die Kunstschule ab Januar 2000 vom Landkreis zu übernehmen, das Kindermuseum einzurichten sowie beides ent-sprechend auszustatten. Über einen Wettbewerb finden Kinder einen Namen für die neue Einrichtung: miraculum – Kunstschule & MachMitMuseum der Stadt Aurich. Im Mai 2000 bezieht die Kunstschule ihre neuen zentralen Räume in der Osterstraße. Im Februar 2001 wird schließlich das neue MachMitMuseum der Stadt Aurich von Bürgermeister Werner Stöhr eröffnet, mit der ersten selbst erstellten interaktiven Ausstellung „Wir machen BLAU“.
Konzept
Seit Januar 2000 arbeitet das miraculum als städtische Einrichtung für kulturelle Bildung mit einem gemeinsamen Konzept für Kunstschule und MachMitMuseum. Unter dem Motto „lernen und gestalten mit allen Sinnen“ werden Kurse, Projekte und Workshops veranstaltet und die Ergebnisse in Ausstellungen und Aufführungen der Öffentlichkeit präsentiert. Mit dem themenorientierten „Kursprojekt“ bereitet man inhaltlich die nächste Ausstellung im MachMitMuseum vor. Für dieses Konzept wurde das Team miraculum mit dem „Kinderkulturpreis 2001“ des Deutschen Kinderhilfswerk ausgezeichnet.
Die Kunstschule wendet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einem breit gefächerten Angebot in den künstlerischen Sparten Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Video, Theater, Literatur und neue Medien. Es werden künstlerische Techniken, Fertigkeiten und Materialerfahrungen vermittelt und Räume für die Entwicklung kreativer Potenziale angeboten: Spiel- und Handlungsräume, in denen man Neuartiges entdecken und mit allen Sinnen erleben kann; Arbeitsräume, die Mut zum Experimentieren machen; Erfahrungsräume, die neugierig machen auf das, was in einem steckt. Qualifizierte Fachkräfte aus Kunst und Pädagogik fördern die ästhetische Übung und den künstlerischen Ausdruck. Dabei sollen Prozesse in Gang gebracht werden, in denen kreative Potenziale im Denken, Handeln und Gestalten entwickelt werden – mit dem Ziel, eine selbstbewusste, kritische und aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu fördern und damit auch präventiv gegen Gewalt, Sucht und Manipulation zu wirken.
Das MachMitMuseum ist ein Kinder- und Jugendmuseum und natürlich geht es hier auch um Bildung und Wissenszuwachs. Aber so angeboten, dass Lernen Spaß macht: Kinder und Familien können hier miteinander auf Entdeckungsreise gehen, experimentieren, Erfahrungen machen. Handlungsorientiertes Lernen mit allen Sinnen ist zentrales Ziel wie auch Methode. Die Ausstellungen werden im Hinblick auf das „Be-greifen“ der Besucher konzipiert, auf das Anfassen, Mitmachen und Mitgestalten. Ein Ausstellungsthema wird nicht einfach präsentiert, sondern inszeniert – ausdrücklich mit Kindern, wobei Erfahrungen, Objekte und Ideen aus dem vorangegangenen „Kursprojekts“ der Kunstschule einbezogen werden.
Jedes Jahr wird eine neue interaktive Ausstellung aufgebaut, die von Mitte Februar bis Ende November gezeigt wird. Die praktische Realisierung und Umsetzung des jeweiligen Ausstellungskonzeptes übernehmen die Jugendprojektwerkstätten der Kreisvolkshochschule Aurich, für die sich dadurch ein abwechslungsreiches Arbeitsfeld mit großen technischen Herausforderungen entwickelt hat. Darüber hinaus findet eine rege Zusammenarbeit mit anderen kulturellen Einrichtungen in der Kommune statt, wie dem Medienzentrum, dem Historisches Museum, der Stadtbibliothek, aber auch mit verschiedenen ansässigen Firmen.
Die Ausstellungen laufen über 10 Monate und sind auf einer Grundfläche von ca. 150 qm untergebracht, zusätzlich wird der große Innenhof mit einbezogen. Die erste Ausstellung „Wir machen BLAU“ zur Lieblingsfarbe der Deutschen erlebten 2001 fast 10.000 Besucher. „Sonne, Mond & Sterne“ zum Thema Weltraum und Planeten wurde 2002 von mehr als 16.000 Besuchern gesehen. Die dritte Ausstellung „Im Labyrinth der Sinne“ zum Thema Wahrnehmung und Orientierung war 2003 noch erfolgreicher, mit über 22.000 Besuchern. Seit Februar 2004 läuft die vierte Ausstellung zum Thema Kommunikation mit dem Titel „Vom Höhlenmensch ins Internet“, während in der Kunstschule schon die nächste unter dem Titel „Schätze“ vorbereitet wird. Informationen zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen unter www.miraculum-aurich.de
Im Netzwerk miraculum entwickelt die Kunstschule Kooperationsprojekte mit kommunalen Einrichtungen und regionalen Bildungsträgern, in denen Schlüsselqualifikationen wie ästhetische Kompetenz und Medienkompetenz vermittelt werden (Beispiel: www.kindernetz-aurich.de)
Ausblick
Vier Jahre nach der Übernahme kann man feststellen, dass sich das Gesamtkonzept miraculum bewährt hat und die Stadt nach wie vor zu ihrer Einrichtung steht. Die Resonanz und Akzeptanz der Öffentlichkeit in Aurich und in der Region Ostfriesland sind überaus positiv, steigende Besucherzahlen belegen das. Bedauernde Äußerungen von weiter angereisten Besuchern des MachMitMuseums, dass es so etwas leider nicht häufiger gibt, unterstreichen, dass diesem Konzept ein Vorbildcharakter in der aktuellen kulturpädagogischen Landschaft zugemessen werden kann. Aus einem Freundeskreis, der die Initiatoren des miraculum von Beginn an unterstützte, hat sich ein Verein mit eigenen Aktivitäten entwickelt.
Das kleine Wunder funktioniert.
Team miraculum
Ramona Binder, Hanni Pfeiffer-Mühlhan, Rainer Strauß |